Verleihung der Rosa Brille 2016

Die Rosa Bribild websitelle 2016 bekommt der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft für seine Geflügel-Charta: Image-Werbung ohne Substanz!

11.01.2015, 10 Uhr, Claire-Waldoff-Str. 7, Berlin.

Ablauf der Veranstaltung: Wir werden wenige Tage vor Beginn der Grünen Woche im Rahmen einer Versammlung vor dem Sitz des ZDG die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes gebührend feiern. Dazu gibt es rosa Brillen für die Feiernden und natürlich Schilder und Banner. Wir haben dem Verband Bescheid gesagt und sind gespannt, ob er den Preis annehmen wird.

Der Preisträger
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft hat im September 2015 mit viel Werbe- und Presse-Aufwand seine „Geflügel-Charta“ veröffentlicht. Der Zweck ist die Beschönigung einer brutalen Industrie. Das zeigt unser Faktencheck:

Tierwohl
Die Geflügel-Charta sagt: „Die deutsche Geflügelwirtschaft macht sich Tierwohl und Tiergesundheit zur zentralen Aufgabe.“
Fakt ist: Hühner und Puten stehen fast ihr gesamtes Leben auf zugekoteter Einstreu. Die Mehrzahl der Tiere leidet deshalb an schmerzhaften Fußballenentzündungen. Es herrscht dichte Enge im Stall: 25 Hühner oder 5 Puten/3 Puter teilen sich einen Quadratmeter – Federpicken und Kannibalismus sind die Folge.

Ressourcenverbrauch
Die Geflügel-Charta sagt: „Wir erzeugen unser Geflügelfleisch ressourcenschonend.“
Fakt ist: Die Herstellung von Geflügelfleisch verbraucht über Fütterung, Mast und Verarbeitung ein Vielfaches der Fläche und des Wassers, die für die Herstellung von pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Getreide oder Kartoffeln benötigt werden. Auch der Ausstoß klimarelevanter Emissionen ist deutlich höher.

Soziale Verantwortung
Die Geflügel-Charta sagt: „Die deutsche Geflügelwirtschaft bekennt sich zu ihrer sozialen Verantwortung, maßgeblich den Mitarbeitern und Angestellten ihrer Unternehmen gegenüber.“
Fakt ist: Die Fleischindustrie fällt wiederholt wegen schwerer Verstöße gegen das Arbeitsrecht auf. Diese reichen vom Lohndumping bis hin zu Menschenhandel zum Zwecke der Arbeitsausbeutung. Mit Werkverträgen werden tarifliche Standards unterlaufen. Angestellte werden systematisch um ihre Rechte und angemessene Löhne gebracht.

Mehr Infos gibt es Kürze auf dieser Seite.

 

One thought on “Verleihung der Rosa Brille 2016

  • Max Mastermann sagt:

    Es ist leider so wahr (und sehr traurig), kenne ich aus der Verwandtschaft (ich spreche aus eigener Erfahrung, von dem, was ich von der Verwandtschaft gehört habe!). Ich selbst habe die Haltung noch miterlebt, als ich aufgewachsen bin (und es sieht in der Viehzucht gar nicht so schön aus, wie von der Agrarlobby berichtet); es ist (bzw. war) teilweise schlimmer für die Tiere, als auf dieser Webseite angeprangert. Es fällt mir nun immer mehr auf, wie die Tiere zu leiden hatten. Es gab Kopfhöhrer für das Betreten beider Ställe, weil die Tiere manchmal laut geschriehen haben. Die Tiere waren (bis auf Jungtiere mit gleichaltrigen) isoliert und hatten nur manchmal mehr Platz als sie selbst lang und breit waren. Wie diese Tiere bloß als rechtelose und bedürfnislose Dinger angesehen wurden (als Kind hatte ich das gar nicht hinterfragt)… Mehr als gefressen und existiert haben sie kaum. Die Verwandtschaft hat die Haltung mittlerweile aufgegeben (als traditionelle Nutztierhalter für den Schlachter), weil einerseits noch für die Arbeit draufgezahlt wurde (!! wegen Antibiotika, Futterkosten und sehr niedrigem Gehalt pro Tier) und die Verwandtschaft es nicht mehr aushielt, zu sehen, wie viele von den Tieren frühzeitig starb und unansehnlich entsorgt werden mussten (dazu kommt: zu dem geringen Gehalt der abgegebenen Tiere heißt das auch Geldverluste). Das hat auch dem Halter psychisch zu schaffen gemacht. Dieser Verwandte ist arbeitslos und kann auch nicht viel machen, weil er nur die damals allernotwendigste Schulbildung bekommen hat, um auf dem Hof der Eltern zu arbeiten. Somit ist es schwer, eine Arbeit ohne große Anforderung zu finden (vorallem, da der Verwandte nun schon etwas älter ist und körperlich Anstrengungen und eine Lehre nicht mehr schafft). Bis zum Schluss konnten sie sich keine richtige Massentierhaltung und Renovierung der Ställe leisten, welche sehr ungepflegt (um ehrlich zu sein sogar schlimm) aussahen.
    Es ist bei allem nur noch schlimmer geworden (für die Bauern), es ist wirklich fragwürdig, wie dieses Landwirtschaftssystem überhaupt bestehen kann in Zukunft. Von Berichten dieses Verwandten zufolge, können sich kleine Betriebe und Nicht-Spitzenbetriebe (dort in der Region) nun kaum noch auf den Beinen halten (selbst die Großen, die dauernd ausbauen müssen könnten irgendwann mal Probleme kriegen). Die Anzahl an verschiedenen Betrieben sinkt auf jeden Fall, während Betriebe immer größer werden.
    Es gibt Regelungen (zumindest in dem Teil Deutschlands, wo meine Verwandten leben), nach denen nur noch eine bestimmte Menge (oder besser „Masse“) an Tieren geliefert werden muss, um überhaupt Geld zu bekommen! Dazu kommt, die Auflagen werden immer strikter, sodass die Ställe sowieso durch keine Prüfung mehr gekommen wären. Um diese Auflagen zu erfüllen, müsste man sehr viel aus eigener Tasche zahlen, Geld das sowieso nicht da ist. Die Schlachter selbst scheinen auch nicht so viel zu kriegen, weswegen sie auch sehr wenig zahlen, da die Supermarkt-Ketten das Fleisch für einen Spottpreis abnehmen, sonst nicht. Um vom Lohn leben zu können, muss eine große Tierhaltung (gerechtfertigtermaßen als „Massentierhaltung“ bezeichenbar) aufgebaut werden und es wird Medizin benötigt, um Krankheiten zu bekämpfen, anders können Tierhalter nicht mehr überleben (staatliche Unterstützung kriegen vorallem nur Großbetriebe, nicht Kleinbetriebe).
    Für dieses zweifache Problem (die Unterdrücker der Tiere werden ja auch noch unterdrückt) scheint es auch ohne totale Änderung keine Lösung zu geben. Wenn das Fleisch teurer wird, kriegen nicht die Bauern das Geld, sondern irgendwelche lebensverachtenden Kapitalisten, die sich um nichts kümmern (im Endeffekt kostet das unnötig den Käufer). Außerdem sei der Wettbewerb so brutal, dass teures Fleisch liegen bleiben würde (DAS IST DIE REALITÄT!). Kaufen die Leute weniger Fleisch, verdienen die Bauern gar nichts mehr (egal für welchen Preis). Hätten die Bauern die Nase voll und würden mehr Geld haben wollen, wird Fleisch billiger aus dem Ausland geholt.
    Wenn man eins feststellen kann, dann das, dass nicht nur Asiaten, Afrikaner und Südamerikaner ausgebeutet werden für nahezu alle großen amerikanische Firmen (wie ich mal gelesen habe) zu Hungerpreisen für ihre lebensgefährliche Arbeit, sondern auch Leute im eigenen Land (bzw. auf dem Land), welche für die Allgemeinheit produzieren, die nur zu gut abgeschottet sind, sodass keiner etwas mitkriegt. Fakt ist, der Geldunterschied steigt weiter in der Gesellschaft, also haben die Maßnahmen bis jetzt nicht wirklich viel gebracht. Und die Politik macht bis jetzt noch nichts. Es ist die Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass es allen gut geht! Der Staat muss sich in die Marktwirtschaft und die Landwirtschaft einmischen, wenn diese krank machend ist! Und ich schätze, dass betrifft nicht nur Viehzucht…
    Ein Artikel aus der Zeit 2013 für die Situation in Bayern:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-09/Bayern-Landwirtschaft

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